2 Herde wohnen, ach, in meiner Brust

Frikadellen oder wie ich zum Kochen kam

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Frikadellen 1

Wenn es um das nächste Rezept geht, dann muss ich ein bisschen weiter ausholen. Frikadellen, das Lieblingsessen des Herrn D., sind nämlich als Initialzündung für meine „Kochkarriere“ (hust.) ein absoluter Meilenstein der Doppelherz’schen Geschichte v.B. (vor dem Blog ^^).

Wie ich zum Kochen kam

Als Herr D. beschloss, statt meines Kollegen mein Freund zu sein (das mit dem Kennenlernen hatten wir schon drei Jahre zuvor erledigt), war ich gerade aufs heftigste mit meinem Abitur beschäftigt und betrachtete Kochen als netten Zeitvertreib, das man mal tun konnte, um Freunde einzuladen, es handelte sich aber eher um eine schlafende (dennoch vorhandene) Leidenschaft, der noch das ein oder andere Päckchen Fixgericht auf die Sprünge half. So wirklich notwendig war es ja auch nicht, schließlich wohnte ich noch zu Hause.

Dumm nur, dass Herr D. gelernter Koch ist. Zwar ist das schon eine ganze Weile her, er tut dies nicht mehr hauptberuflich und er ist trotz weitreichender Erfahrungen in der gehobenen Küche immer noch ein Fan des bodenständigen, aber mir wurde schlagartig klar, dass ich in dieser Beziehung mit TK-Pizza und meinen schmächtigen Bolognese-Künsten keinen Blumentopf gewinnen würde. Nicht zuletzt durch eine Anekdote, in der ihn eine „Verehrerin“ auf die scherzhafte Frage, ob sie kochen könne, ernsthaft zurückfragte, ob er denn keinen Dosenöffner zu Hause habe, was großes Entsetzen seinerseits auslöste, war mir klar, dass ich meine bescheidenen Künste bestmöglich kaschieren musste.

So mogelte ich mich durch die ersten Wochen, in denen wir meist sowieso nur am Wochenende zusammen aßen mit Essensvorschlägen, die er „sowieso viel besser“ kochen konnte und konnte das auch durch Begründung mit den anstehenden Prüfungen bis zum Abi durchziehen…

Als ich dann aber quasi bei Herrn D. einzog (kurz vor Beginn des Studiums, was sollte ich noch bei meinen Eltern wohnen, wenn ich eh nur beim Holden verweilte), wurde es ernst. Ich musste kochen, denn ich war ja noch die meiste Zeit zu Hause und so langsam kam es mir auch selbst lächerlich vor. So schwer konnte das ja nicht sein. Zwischenzeitlich hatte ich, gerade was kleine technische Kniffe betrifft, ja auch begierig durch schauen gelernt. So kochte ich mich weiter durch die Welt der bunten Päckchen und freute mich, dass endlich wieder mehr Gemüse auf den Tisch kam (typisch Mann, dafür ist er dann doch recht häufig zu faul gewesen). Meine Experimentierfreude hielt sich zunächst in Grenzen, denn vorrangig war es ja, nicht von vornherein als koch-unfähig abgestempelt zu werden.

Diese Gehversuche wurden durch meine erste Studentenbude wieder auf ein Minimum reduziert, denn eine Küche von 1,20 Breite mit zwei Herdplatten ohne Backofen und einem Kühlschrank ohne Gefrierfach verleideten mir die Lust am Kochen, zumindest unter der Woche für mich allein und ich schnippelte meistens etwas Salat, briet mir wenn’s hoch kam mal ein Stück Fleisch, denn eine Dunstabzugshaube gab es auch nicht und nach dem Braten etwas fettigerer Dinge, musste ich die komplette Küche von oben bis unten putzen und das ganze Geschirr spülen…aber meistens gab es als Hauptspeise Nudeln mit Soße. Lecker.

Im September letzten Jahres zog ich mit der Studentenbude um. Nicht nur wegen der Küche, aber die war dann plötzlich doppelt so groß. Mit Backofen. Und Gefrierfach. Und Dunstabzugshaube. Ein Paradies.

Damit erwachte auch die Kochlust wieder. Endlich hatte ich den Platz und die Möglichkeiten, konnte mehr Gewürze als Salz, Pfeffer, Paprika, Curry und Pizzagewürz lagern, Kaffee kochen und zeitgleich den Kuchen dazu anrühren und backen und überhaupt – ich hatte die Freiheit, die das eigene Kochen bietet, wieder zu schätzen gelernt.

Nach etwa einem halben Jahr hatte ich dann auch genug davon, immer ein Buch mit mir herumschleppen zu müssen, um die Rezepte aufzuschreiben und am richtigen Ort zu haben, kurz gesagt lag dieses Buch sowieso immer dort, wo ich gerade nicht war. So kam ich dann vom Kochen zum Bloggen, denn das war der einfachste und praktischste Weg, Rezepte zu sammeln und die Möglichkeit, diese auch in Bildern festzuhalten, machte das Ganze noch viel attraktiver.

Nach dem Erstellen meines ersten Blogs, entdeckte ich die „Foodblogger-Szene“, begann Bloglovin‘ zu nutzen, um kein Rezept der Blogs, die ich gern las, mehr zu verpassen und zog schließlich hier her um, um Küchendoppelherz zu meiner kleinen Rezeptsammlung zu machen, die ich gerne mit Dir teilen möchte. Ich kann mir nicht vorstellen, molekular zu kochen oder irgendwann Portionen zu servieren, für die man eine Lupe braucht (damit hätte ich auch meine komplette Familie innerhalb eines Essens vergrault)…ich probiere einfach wahnsinnig gerne aus und freue mich darüber, jeden Tag etwas Neues zu lernen. Es gibt noch so viele Dinge, die noch keinen Einzug in eine meiner Küchen gehalten haben, kurz, es gibt noch so viel zu kochen. Nicht zuletzt deshalb bin ich Herrn D., und damit schließt sich der Kreis, so dankbar dafür, dass er mit Engelsgeduld und gespitzter Zunge alles probiert, was ich ihm vorsetze. Denn wenn er nicht quasi postuliert hätte (stillschweigend und sicherlich auch nicht derart beabsichtigt), dass Kochen einfach Standard ist, würde ich vielleicht heute auf den Fraß in der Mensa angewiesen und wüsste mir am Wochenende außer TK-Pizza keinen anderen Rat…

Hehe, jetzt hab ich mich verquatscht und die Frikadellen mit keinem Wort mehr erwähnt. Aber wenn Du Dich jetzt schon durch meine kleine Geschichte gequält hast, werde ich Dich auch aufklären, wie sich dieses Rezept in diese einfügt: Falls Du Dich noch erinnerst sind Frikadellen das Lieblingsessen des Holden. Und die einzige Konstante in dieser Geschichte. Als ich ihn nach seinem Leibgericht fragte, rechnete ich ja mit irgendwas, von dem ich mich glücklich schätzen könnte, wenn ich den Namen schon mal gehört hatte. Aber er sagte schlicht und ergreifend „Frikadellen“ – ungläubiges Aufatmen, denn da das Mutti nie kocht und Oma nur selten, hatte ich mich daran schon selbst versucht. Und konnte dann auch gleich einen ersten Punktsieg verbuchen. Mit etwas weiterer Übung schaffte ich es dann mit den kleinen Fleischklopsen sogar zum Prädikat erster Güte („Schmeckt besser als bei Muttern!“) und muss deshalb regelmäßig ein Kilo Gehacktes zu solchen verarbeiten. Die kann man nämlich auch kalt essen. zum Frühstück, auf Arbeit, am Abend mit Senf…irgendwie immer ;).

Jetzt aber genug geschnackt, hier kommt das Rezept, das abgesehen von seiner außergewöhnlichen Rolle gar nicht so vieler komplizierter Worte bedarf:

1 kg Hackfleisch, gemischt # 3 EL Petersilie gehackt (ich nehme die TK-Petersilie, die ist schön fein ^^) # 3 Eier# 4 EL Semmelbrösel # 1 Zwiebel # 1 TL Salz # 1 TL Pfeffer # 1 TL Paprikapulver edelsüß # 1 TL Paprikapulver rosenscharf # 2 TL Hackfleisch-Würzer # n.B. eine Prise Knoblauch-Granulat

Zunächst die Zwiebel in sehr feine Würfel schneiden oder hobeln. Dann alle Zutaten in eine große Schüssel geben und kneten, kneten, kneten, bis eine „homogene Masse“ entstanden ist (ca. 5 Minuten). Am besten jetzt für 10 Minuten in den Kühlschrank stellen.

Jetzt die Frikadellen formen. Aus einem Kilo Hack forme ich etwa 12 Stück, Du kannst aber natürlich auch kleine Bällchen oder richtige Männer-Hacksteaks produzieren.

Jetzt ist es an der Zeit zum Braten: Dafür eine gut beschichtete Pfanne ordentlich heiß werden lassen. Wenn die Beschichtung intakt und das Fleisch nicht fettreduziert ist, braucht es kein zusätzliches Öl zum ausbacken, aber auch andernfalls dürfte 1 EL vollkommen genügen.

Sobald die Frikadellen von einer Seite knusprig braun sind (3-5 Minuten), diese wenden und wiederum knusprig werden lassen. Dann auf halbe Hitze zurückdrehen und durchgaren lassen (dauert bei mir ca. weitere 5 Minuten). Bei größeren oder kleineren Varianten variiert die Garzeit, aber das ist ja klar. 😉

Womit Du die Schätzchen servierst, ist Dir überlassen. Salzkartoffeln und Spinat sind ebenso ein Genuss wie Salat und Baguette und auch kalt (evtl. mit ein bisschen Senf) schmecken sie lecker. Aber was red ich, als Imbissbuden-Klassiker dürften die Einsatzmöglichkeiten ja hinreichend bekannt sein…

Lass Dir's schmecken!

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